Auch wenn der Begriff nicht so geläufig ist: Verpackungsdesign ist nahezu überall von großer Bedeutung. Fast alles, was wir kaufen, ist verpackt – manches sogar zweimal. Die Zahnpastatube in der Pappschachtel, der Cognac in der Glasflasche und im Geschenkkarton. All’ das packen wir noch in eine Tragetasche und transportieren es nach Hause. Verpackungen erfüllen oft mehr Funktionen, als man auf den ersten Blick wahrnehmen kann. An einem Beispiel – der Verpackung von Milch – lassen sich die verschiedenen Funktionen gut transparent machen.

Es war einmal … eine Verpackung: Die Milchkanne

Wer vor 100 Jahren Milch kaufen wollte, ging mit der Milchkanne zum Bauern, oder auf den Markt. Die mitgebrachte Milchkanne wurde dort gefüllt, man bezahlte und trug die Milch in der Kanne nach Hause. Die Milchkanne war die wiederverwendbare “Verpackung” und das Transportmittel für die lose Milch. Sie erfüllte alle Funktionen, die sie als Verpackung erfüllen musste, denn sie schloss dicht und gewährleistete so, dass der Inhalt/die Milch nicht auslief und sich sicher transportieren ließ – wobei der Henkel der Milchkanne zum Tragen diente. Weiterhin war sie lichtundurchlässig und sorgte dafür, dass empfindliche Vitamine nicht durch Lichteinfluss abgebaut wurden. Und die Milch konnte in ihr aufbewahrt und bei Bedarf ausgegossen werden – bis sie leer war, ausgewaschen und erneut benutzt wurde. Somit hat uns die gute alte Milchkanne die wesentlichen Funktionen des Verpackungsdesigns vermittelt, und eben diese sind Grundlage der Fragen, mit denen sich auch heute noch jeder Designer auseinandersetzt, wenn er den ersten Entwurf für eine Verpackung erarbeitet. Dabei kann der Verpackungsdesigner zwischen verschiedenen Materialien wählen, die für die entsprechende Verpackung geeignet sind – muss jedoch in diesem Zusammenhang die Material- und Herstellungskosten berücksichtigen. Das Zwischenergebnis dieser ersten – wesentlichen – Überlegungen ist ein Modell der Verpackung, das ihre Form und ihre Grundfunktionen naturgetreu wiedergibt. Das wird präsentiert, diskutiert und für gut oder eben nicht gut befunden.

Verpackungen heute: Mehr als eine Verpackung

Wenn Sie heute Milch kaufen gehen, stehen Sie vor einem großen Regal im Supermarkt und können wählen: Es gibt Milch in (wieder verwendbaren) Glasflaschen, manchmal auch in Kunststoffflaschen, in beschichteten Pappverpackungen – und diese alle in verschiedenen Größen/mit verschiedenen Füllmengen, unterschiedlichen Verschluss-/Ausgießvorrichtungen und vor allem mit ganz verschieden gestalteten Beschriftungen, Aufdrucken, Banderolen und anderen Gestaltungsmitteln, die nicht nur die notwendigen Informationen zum Produkt enthalten. Neben diesen – dienlichen und notwendigen – Angaben finden Sie weitere Texte und/oder Abbildungen und es steht Ihnen frei, die Packung zu wählen, auf der Sie von einer “bunten Kuh angelächelt” werden, oder die zu kaufen, auf der Sie das Firmenlogo des Herstellers aus der Fernsehwerbung erkennen. Oder sich für die zu entscheiden, deren Gestaltung deutlich erkennbar auf den geringsten Preis hinweist. Verpackungen heute haben also auch die Funktion, Informationen und Werbebotschaften zu transportieren. Und: Eine ansprechende, ästhetisch überzeugende Verpackung dient als Kaufanreiz und/oder lässt das Verpackte als etwas Besonderes erscheinen. Damit dient die Verpackung der Vermarktung.

Verpackungsdesign pur: Die Banane – gestern und heute

Damit hat der Verpackungsdesigner alle Hände voll zu tun: Wenn der erste Entwurf allen wesentlichen Funktionen gerecht geworden ist, wird er in einem nächsten Schritt ein Modell mit der entsprechenden Oberflächengestaltung erstellen. Oftmals kommen an dieser Stelle Graphikdesigner, Werbetexter und andere kreative Menschen hinzu – und auch das in diesem Prozess entstehende Modell wird schließlich präsentiert, diskutiert und auf Herz und Nieren geprüft. Wenn es besteht, wird ein Prototyp hergestellt, der der fertigen Verpackung 1:1 gleicht und – soweit diese immer noch allen Anforderungen, Prüfungen und Praxistests gerecht wird – dann in die Produktion geht – vom “Band rollt” und Regale der Supermärkte bereichert.

Unübertroffen bleibt das Verpackungsdesign der Banane: Denn bei so viel Funktionalität, Verwendung von ökologischem Material und ökologischer Verträglichkeit im Entsorgungsprozess (100%-prozentige Kompostierbarkeit) wird jeder Verpackungsdesigner gelb vor Neid – und packt ein.